von Chris Vicious
Anfang 2009 werden wir unser viertes Album veröffentlichen – und blicken dem Release mit Freude entgegen. Das Vertriebs-Konzept ist im Prinzip schon in Sack und Tüten, doch manchmal nagen nachts die Zweifel. Denn: Wie bringt man heutzutage so ein Album eigentlich richtig raus? Wo setzt man die Prioritäten? Audio-CD-Soundqualität oder breitenwirksame Streams? MP3-Kauf oder freier Download? Myspace oder Last.FM? Brust oder Keule?
Ja, die Zeiten ändern sich. Eben noch war man mit einer Vinyl-Special-Edition auf der sicheren und angesagten Seite, schon wird man wie Reich-Ranicki von Thomas Gottschalk
der unzeitgemäßen Glorifizierung der Vergangenheit überführt. Diese Gefahr haben wir zwar im Griff, denn wir finden nicht, dass früher alles besser war. Im Gegenteil: Für Bands ohne Plattenvertrag gab es wohl nie bessere Möglichkeiten, Ihrer Musik Aufmerksamkeit zu verschaffen. Aber der Dschungel neuer Möglichkeiten ist voll von Foren-Sümpfen, Portal-Sackgassen und Copyright-Fallstricken. Die Übersicht zu behalten, ist wirklich schwer geworden. Und einen Königsweg der Veröffentlichung zu wählen, der unserem Rock die größtmögliche Wertschätzung und Aufmerksamkeit beschert, scheint so gut wie unmöglich.
Einige der zur Wahl stehenden Optionen lassen sich kombinieren, andere schließen sich aus. So kann man z.B. nach Veröffentlichung der Songs in MP3-Shops wie musicload.de schlechterdings keinen freien Download auf der eigenen Website anbieten. Gratis&Exklusiv-Releases auf Plattformen wie Last.FM wiederum haben den Vorteil hoher Aufmerksamkeit und Reichweite im jeweiligen Netzwerk.
Allerdings verbieten einige “Deluxe-Verträge” (die z.B. Airplay auf den Web-Radios der Portale ermöglichen) schon mal recht kess den Stream der Musik auf anderen Kanälen. Auf Myspace wiederum kann man ja machen was man will, Ihr eigenes Musik-Netzwerk erlaubt aber nur 6 Songs pro Band. Gut oder schlecht – sollte man vielleicht gar nicht alle Songs online verfügbar machen? Natürlich nicht, könnte man sagen, schließlich sollen die Zuhörer ja CDs kaufen und so der Band Möglichkeit geben, die Gewinne in neue Großtaten zu investieren. Natürlich doch, würde ein Skeptiker entgegnen, denn Underground-Bands verkaufen im Web doch ohnehin kaum etwas – und die Hauptsache ist doch, dass die Leute die Musik lieben lernen. Also wie jetzt? MP3-Shops, freie Stream-Player oder Gratis-Download à la ROCK | SHOW?
Mei, is des verwirrend… Diese vernetzten Zeiten legen selten klare Antworten nahe. “Bleib in Bewegung” schallt es aus dem Dschungel, aber wo man hin soll, das weiß keiner. Die einzigen, die es wirklich wissen, seid Ihr! Denn Ihr seid die Konsumenten, die Endverbraucher, die mündigen Bürger, die Zuhörer, die Zielgruppe, die Adressaten unserer Arbeit. Jede einzelne Eurer Kauf-, Saug- und Surf-Entscheidungen prägt den neuen Musikmarkt, der sich gerade aus den Trümmern der Pop-Kartelle erhebt. Deshalb gibt es auch nur einen, der in schlaflosen Nächten unsere Zweifel zerstreuen kann: Du. Und Du. Und Du auch!
Was also meint Ihr? Wie stellt Ihr Euch das perfekte Album-Release 2009 vor? Was erwartet Ihr von einer Band, die Ihre Musik über das Internet veröffentlicht? Was ist Euch wichtig? Qualität, Sicherheit, Kostenlosigkeit? Wie und in welcher Form würdet Ihr ein neues 7ieben-Album gern beziehen? Wir freuen uns auf Eure Beiträge und werden eifrig mitdiskutieren.
Tags: album, diskussion, reflexion, release, web
Und deine Meinung?
3 Kommentare »
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I like to have CDs from bands. Have you tried CD Baby?
http://de.cdbaby.net/
They seem to be quite friendly toward independent bands like you guys.
Sorry this post was in English, I’ve only had one weeks worth of German classes so far.
macht einfach ne ganz normale cd, die dann auf gigs verkauft und über die website geordert werden kann. die mugge (und vorallem ein ganzes album) is zu schade, um irgendwo im web kostenlos verscheuert zu werden. macht lieber nach dem album eine 3 track-ep mit neuen songs, die es dann ausschließlich online gibt, evt. dann auch kostenlos und rein zu dem zweck, die musik kräftig (im rahmen der möglichkeiten des “untergrunds”) zu promoten.
würdsch ma sagn, so…