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Donnerstag, 23 Uhr:

Nacht, Nebel, Nieselregen. Der erste lausig kalte Tag des aufziehenden Herbstes. Eine torkelnde Gestalt zeichnete sich als Silhouette gegen das Lichtermeer der nächtlichen Neustadt ab. Sie schlängelte sich wild gestikulierend um den Mittelstreifen der Straße und versuchte wie verrückt, nach den Autos zu treten, deren Fahrer ihrem Schrecken mit lautem Hupen Luft machten.

Er war auf dem Weg … irgendwohin. Wahrscheinlich sollte er sich in eines dieser Amüsierlokale treiben lassen, dachte er. Einer jener Dämonensäle, die noch jede gestrandete Seele gnädig an den Rand der Nacht gebracht haben. Als ein Laster nur Zentimeter an Lupus vorbeischrammte, durchzuckte ihn ein Moment der Klarheit. Die Verzweiflung prickelte seinen Rücken herab wie ein eiskalter Wasserstrahl. Er stürzte den Rest des Weins hinunter und warf die Flasche hinter sich.

Das hier war der Anfang. Der Anfang vom Ende.

Müde schleppt sich, übersättigt | Ein träger Mann durch leeres Land | Kalt und einsam, matt und traurig | Ein leerer Mann am weiten Strand | Hass und Liebe, Zweifel und Neid | Treiben ihn nachts durch die Stadt | Ein depressiver Egoman | Der lautlos schreit: | Ich hatte alles, ich hatte alles, warum hab ich es nicht mehr? | Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, viel zu viel für mich | Jede Lüge, jede Träne | treibt ihn weiter raus aufs Meer | Ein kleiner Kahn auf hoher See | Der gern ein Schlachtschiff wär | Kein Land im Augenwinkel mehr | Doch er wünscht es sich so sehr | Und er schreit | um sein Leben | Verzweiflung ist ein hartes Wort | Sein Blick irrt wirr von Frau zu Frau | Feindesland an jedem Ort | Am Abend färbt sich alles blau | Kaltes Glas an seinen Lippen | Hartes Metall an seiner Stirn | Ein suchtzerfressner Schutzbesessner | Der lauthals schreit: | Ich habe nichts, ich habe nichts, von dem was wichtig ist | Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, viel zu viel für mich | Jede Lüge, jede Träne ... | Ein viel zu kleines Boot mit viel zu dünnen Wänden | Eine elende Woche, ne quälende Woche beginnt zu enden | Jede Lüge, jede Träne ...

Freitag, 22:14 Uhr:

Eigentlich war es ja immer das gleiche Spiel… Vor einigen Stunden hatte sich Lupus vom Fernseher weggequält, der ihn den ganzen Tag lang mit verstiegenen Verschwörungstheorien über den traurigen Start ins neue Jahrtausend einzuwickeln versuchte. Er hatte sich geduscht und das Parfüm aufgelegt, von dem er wusste, dass es ihm sein Vorhaben erheblich erleichtern würde: Er würde sich, wie jedes Wochenende, seine Männlichkeit beweisen. Der Gedanke daran, dass in wenigen Stunden eine schöne Unbekannte vor ihm knien würde, erregte ihn ein wenig, und er lächelte still in sich hinein.

Lea änderte die Spielregeln, als sie den Club betrat. Sie tat leidenschaftlich das, wozu sie als attraktive Frau ohnehin gezwungen war: Ließ die notgeilen Gaffer an Ihrer Fassade abtropfen. Ihr Interesse galt dem stolzen Wolf am anderen Ende des Saals. Für den Bruchteil einer Sekunde schenkte sie ihm einen Augenkontakt, um ihn weiter am Ball zu halten, dann unterhielt sie sich wieder übertrieben angeregt mit dem DJ.

Samstag, 12:34 Uhr:

Und täglich grüßt das Katzetier. Es ist erstaunlich, wie sehr man sich an den morgentlichen Kater gewöhnen kann. Daran, von einem Pochen im Kopf geweckt zu werden, von einem pelzigen Gefühl und der Frage: “Scheiße, was ist passiert?”

Normalerweise sickerte die Antwort in den nächsten Minuten durch die nur langsam erwachenden Hirnwindungen, und normalerweise war sie nicht sehr erfreulich. Diesmal blieb Lupus’ Erinnerung seltsam neblig und leer, so sehr er sich auch dazu zwang, seinen Vollrausch zurückzuverfolgen. Er schwankte zum Waschbecken, musterte den Spiegel und dachte: “Kenn ich nicht – rasier ich nicht.”

Jetzt, noch vor dem ersten Kaffee, war er definitiv am vorläufigen Tiefpunkt des Tages angelangt. Was ihn die nächsten Stunden am Leben halten würde war das Wissen darum, heute abend wieder ein anderer Mensch zu sein. Auch wenn alles zum Stillstand käme, die One Man Show würde weiter gehen. Bis zum Schluss.

Sonntag, 15:03 Uhr:

Es war zwar etwas dreist, darauf zurückzukommen, aber so war eben das Spiel. Vorgestern, nach vielen Prosecco, die er in sie investiert hatte, versprach sie ihm eine Erklärung dafür, warum es Sonntage gibt, während sie Ihre Email-Adresse auf einen aufreizenden Black-Music-Flyer kritzelte.

Jetzt, da er zerknirscht vor dem Computer saß und den Browser um eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Sonntags anbettelte, erschien es ihm unausweichlich, sie darauf festzunageln. Er war besorgt, denn er erkannte die Anzeichen. Er war auf dem besten Wege, sich mittelschwer zu verknallen. Er wusste, dass das absolut keine gute Idee war. Leider aber pochte neben dem Wunsch nach einem starken Drink nur ein Bedürfnis in seinem Kopf. Er drückte auf “Senden” und wendete sich aus Scham über diesen plumpen aber unvermeidlichen Annäherungsversuch vom Monitor ab.

Montag, 06:30 Uhr:

Am Wochenende hat N24 gewissenhaft den Niedergang des  Abendlandes analysiert und verblieb im Wesentlichen dabei, zu  verkünden,  dass alle Dinge eben irgendwann zum Ende kommen müssten und jetzt erstmal etwas Werbung angebracht sei.  In seinem sonntäglichen Nachtstudio hatte Volker Panzer die Folgen der Globalisierung für Europa beleuchten lassen, und die Experten versicherten beflissen, dass die Luft für all jene dünn werden würde, die nicht bereit seien, sich warm anzuziehen.

Es gibt wenige Dinge, die ätzender sind als ein Montagmorgen. “Warm anziehen”, hallte es in Lupus’ Gedanken nach, als er schlaftrunken über den Weg zur Arbeit nachdachte. Das morgentliche Radio-Gedudel mausert sich in seinem Kopf zur Keimzelle des Terrors… Es war doch zum Kotzen: Die Welt da draußen drehte sich im Schnell-Vorlauf und dieser Kasten dudelte “Keep the faith”. Als gäbe es irgendwas, woran es zu glauben lohnt.

Dienstag, 19:07 Uhr:

Lupus sah ihr an, dass etwas nicht stimmte. Sie nestelte nervös in ihrer Handtasche herum, zog eine Zigarette hervor. Strich sich die dunkle Mähne aus dem Gesicht. Sie zündete die Kippe an, öffnete ihren unglaublichen Mund – und die Worte schlugen ihm  zum zweiten Mal mit voller Wucht in’s Gesicht: “Ich weiß nicht, ob das vorgestern eine gute Idee war.” Als sie vor ein paar Stunden kühl “Ich muss mit Dir reden” in’s Telefon geflüstert hatte, sauste die Faust zum ersten Mal auf ihn nieder. Angst… Vor dem Treffen stand er stundenlang vor dem Spiegel. Einmal noch musste er sie blenden, denn danach würde er sich ändern. Bestimmt.

Natürlich konnte er nicht ahnen, dass auch Lea sich die Finger wund biss. Sie hätte sich ohrfeigen können für diesen Anruf, aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Eine Frau musste ihre Prinzipien haben. “Keine Gefühle mehr für Freaks.” hatte sie sich vor ein paar Monaten nach dem x-ten Fehlschlag geschworen. Sie fuhr auch recht gut damit – bis Lupus kam. Und nun stand sie vorm Spiegel, schlotternd vor Angst.

Mittwoch, 21:00 Uhr:

Vor Jahren hatte ihm eine enttäuschte Affäre wütend entgegen geschleudert, erst der Schmerz des Aufpralls würde ihn aufwachen lassen. Als sich Lea umdrehte und die Klippe verließ, von der sie ihn gestoßen hatte, verschwamm das Bild vor seinen Augen. Hier also war “ganz unten”. Das also war der absolute Stillstand, die totale Niederlage. Es tat weh. Unwirklich weh.

Er hatte seit dem viel darüber gelesen, welche Macht und Energie in der Implosion einer Seele stecken können.  Er war in Psychologievorlesungen geschlichen,  nicht nur wegen der Mädchen. Er hatte Fight Club 49mal gesehen und bewunderte die Protagonisten dafür, den Nullpunkt anzustreben. Oft hatte er sich selbst einen Vorwand gegeben, um des Nachts  hierher zum Blauen Wunder zu schlendern. Dann setzte er sich auf die Brüstung, trank sich um den Verstand und starrte in die Fluten. Bisher hatte er spätestens ab dem siebten Bier immer noch ein paar Gründe dafür finden können, sich gut festzuhalten.

Donnerstag, 11:30 Uhr:

Das Morgengrauen nach der Schlacht. Der Kater war noch stärker als sonst, das machte Lupus stutzig. Sein Hirn weigerte sich hartnäckig, Erinnerungen auszuspucken. Vielleicht sollte er Lea anrufen und fragen…Das Telefon fand sich irgendwo zwischen Müll und Scherben auf dem Boden. Er kniff die Augen zusammen, um trotz des Pochens in seinem Kopf das Display entziffern zu können. Da war … nichts. Absolut nichts. Temperatursturz. Strömungsabriss. Druckabfall.

Flashback:  Ein in den Hausflur gebrüllter Schwur: “Bleib hier, Lea! Bleib!” Sie, weinend, kopfschüttelnd, rennend. Die Tür fällt ins Schloss. Whiskey, Wimmern, Wut. Flaschen fliegen an die Wand. “The person you’ve called is permanently not available for you!” Er befiehlt seinem Telefon, sie zu vergessen. “Eintrag unwiderruflich löschen?” Ja, verdammt!

Flaschback-Ende. Lupus fiel nach hinten auf sein Bett. “Hoffentlich ist genug Bier im Haus”, dachte er.

Irgendwann, viel später:

Sie hat wirklich Ernst gemacht. Hat ihn bei StudiVZ und im ICQ geblockt. Die Email-Adresse stillgelegt, die er von Ihr hatte. Das volle Programm. Wo sie wohnte, hatte er ohnehin nie erfahren.

Doppel-Entzug, siebzig Tage schon. Der erste Tag war die Hölle gewesen. Am zweiten Tag ging es schon viel besser. Alle Tage seitdem waren wieder die Hölle. Eigentlich ging er nicht mehr nach draußen – Menschen waren ihm ohnehin seit Langem lästig, und nun machten ihm auch die Mädchen Angst, für die er bereit war, eine Ausnahme zu machen.

Heute hatte er sich aufgerafft, hatte sich die Rockerkluft übergestülpt wie einen Schildkrötenpanzer und sich trotzig unter die stumpf vor sich hin feiernde Meute gemischt. Lupus bestellte sich eine Cola bei seinem alten Lieblings-Barkeeper, welcher die Bestellung mit einem höhnischen Grinsen quittierte und sich daran machte, ihm ein frisches Radeberger zu zapfen. Dealer sind schlechte Suchtberater…

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Das Album – Ab jetzt online & im Handel.*
9 Songs, Gesamtspielzeit: 52:54
Als Download:

…oder im Digipack (inkl. Live-Gallery, DVD-Trailer, Artboard-Skizzen)

* Erschienen auf Timezone Records / Timezone Distribution.

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Noten als PDF
Noten Git+Bass
Song: “Schrei”
Pop vs. Rock
Kurzfilm
“Pop vs. Rock”
Coming soon
DVD-Trailer
“Salamitaktik”
Video Weckruf
Bonus-Video
“Der Weckruf”
Video Studiokoller
Bonus-Video
“Studiokoller”
Coming soon
Überraschung
Coming soon.

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Für Gäste gibt es die Single-Version des Album-Openers als Appetithappen:

Schrei (Single Edit)7,2 MB, MP3s, 192 kb/s

Lizenz: CreativeCommons BY-NC-ND 3.0 (Details)

Kommerzielle Nutzung und Remixes bedürfen unserer Zustimmung. Kontaktiere uns unter feedback@7ieben.de. Wir sind guten Ideen gegenüber immer aufgeschlossen!

CREDITS

  1. Schrei: Musik: SB. CM, Text: CM
  2. One Woman Show: SB, CM, Text: CM
  3. G.M.X.: Musik: SB, CM, Keys und Text von CM
  4. Sonntags: Musik: Peter Lemke, SB, CM, JE, Text: CM
  5. Bleib in Bewegung: Musik: SB, CM, Text: CM
  6. Von der Sonne lernen: Musik: SB, CM, JE, Text: CM
  7. Ultima Ratio: Musik: SB, CM, JE, Text: CM
  8. Delirium Tremens: Musik: SB, CM, JE, Text: CM
  9. Cuba Libre: Musik: SB, CM, Text: CM

Christoph Meißelbach (CM) – Gesang, Sebastian “Raptor” Belke (SB) – Gitarre/Gesang, Jörg Eichhorn (JE) – Bass/Gesang, Mitsch U. Cannon – Schlagzeug

PRODUKTION
Aufnahme & Mastering:
Niklas Wenzel, Produktion: Niklas Wenzel & Christoph Meißelbach, Aufgenommen & produziert im Virtuose Vibes Tonstudio. Made in Dresden, Germany. (cc 2010)

Wir sind eine Rockband. Und Rockbands bringen Alben heraus. Noch gibt es keinen vielversprechenden Ansatz, um das gute, albewährte Format des “Albums” sinnvoll in das Internet zu übertragen. Uns treibt diese Sache schon eine ganze Weile um. Als wir 2006 das Album ROCK | SHOW online raus brachten, experimentierten wir erstmals mit dem Konzept des “E-Booklets”.

Kein Album ohne Booklet! Dieses NetBooklet ist die zweite Stufe in der Evolution unseres E-Booklet. Es verknüpft die Vorteile traditioneller, “physischer” Releases mit den Möglichkeiten des Webs. Es macht LUPUS UND LEA als Album online erfahrbar.

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NETBOOKLET (cc 2010)
Inhalt &
Layout: Christoph Meißelbach
Konzept:
Jörg Eichhorn & Christoph Meißelbach
Programmierung und Modding:
Jörg Eichhorn
Design & Umsetzung:
Moritz & Christoph Meißelbach
LUPUSUNDLEA-Signet:
Michael Knaute, Kristin Hofmann

LIZENZ
NetBooklet & Musik stehen unter der
CreativeCommons-Lizenz BY-NC-ND 3.0.

DANKSAGUNG
TechNik (Virtuose Vibes Tonstudio), Wackellampen-Roger, Beach Boy Micha, Ex-Chef Peter, Ex-Cellist Johann, alle ehemaligen Mitstreiter, Vicious Sturmie, Krissi (Fotokatz.de), S.C. Roth, Heinz K., Rosuock & Jetl (2x11wattmono), Designerfuzzi Frank, Kristina, Karo (Cassis), Finne & West (pi !), Cort, Lanzelot, Tom, Jana, Kerstin, Stephi und unsere Eltern….

…und natürlich unserem Label Timezone Records.

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